Am 7. November fand der letzte eBizzTalk dieses Jahres im Hause Hanse Ventures statt. Die Vortragenden waren diesmal Dr. Rainer Hillebrand, Vorstandssprecher von Otto und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Otto Group, Dr. Jochen Gutbrod, Managing Partner von Raffay & Cie., und Bernhard Fischer-Appelt, Vorstand der gleichnamigen Agenturgruppe.
Der eBizzTalk bewahrt auch nach zehn Jahren noch immer die Lockerheit eines Stammtischs und daher soll auch das meiste von dem, was die Redner aus ihren eigenen Erfahrungen wiedergeben, die Räume von Hanse Ventures nicht verlassen. Für uns heißt das, an dieser Stelle nicht zu sehr in die Tiefe der Vorträge zu gehen. Ihr – unsere Leser – seht es uns hoffentlich nach.
„Herr Hillebrand, ich möchte Sie zum Vorstand machen“ sagte der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Otto Group, Michael Otto, einst zum ersten Speaker des Abends. Mit einem “Das nehme man zur Kenntnis“, reagierte Dr. Rainer Hillebrand. Seit 1999 ist er Mitglied des Vorstandes, aktuell verantwortet er die Bereiche Vertrieb, Marketing und E-Commerce. Er referierte über die Anfänge des E-Commerce generell sowie die ersten Berührungspunkte hiermit bei Otto. Auch sprach Dr. Rainer Hillebrand über die Zukunft der Otto Group. Demnach müsse Otto als Marke weiter gestärkt werden. Heute ginge es vor allem um drei Aspekte, um erfolgreich am Markt zu agieren: Lead, Speed und Data (die Kunden seien laut Hillebrand derart tief bei Otto verankert – daher nannte er sie nicht zusätzlich). Mit Lead meint Hillebrand den Market Pull, d.h. die Kunden müssten den Waren des Konzerns und den Konzern selbst konkret nachfragen. Speed – eine Grundvoraussetzung in der heutigen just-in-time Gesellschaft. Data, denn Otto ist nicht nur der Katalog und die Webseite otto.de. Baur, smatch.com, SportScheck, Hermes, myToys, … das Portfolio der Otto Group umfasst 123 selbständig agierende Konzerngesellschaften in den Bereichen Handel, Finanzdienstleistungen und Service.
Der zweite Sprecher, Dr. Jochen Gutbrod, sprach zunächst aus der Verlags-Perspektive. Bis 2010 war er stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung des Holtzbrinck Verlags und Geschäftsführer von Holtzbrinck Digital. Beim eBizzTalk sprach er über die Zurückhaltung der Verlage in Bezug auf das digitale Geschäft. Beispielsweise sei der Markt bereit für ebooks – die deutschen Verlage jedoch nicht. Doch dies sei eine Chance für uns, die deutsche Gründerszene, denn die Verlage werden früher oder später in diese digitalen Kompetenzen investieren müssen. Im zweiten Teil sprach Dr. Jochen Gutbrod über die Übernahme von StudiVZ durch den Holtzbrinck-Verlag und die Entscheidung, das Portal nicht an Facebook zu verkaufen. Trotz einer im Nachhinein falschen Entscheidung stieß diese Einstellung auf positive Resonanz im Publikum: Deutschland brauche endlich ein eigenes Google oder Facebook, statt nur darauf abzuzielen, selbst von den Großen gekauft zu werden. In Deutschland müsse man in Nischen antreten. Heute beteiligt sich Jochen Gutbrod mit der Raffay & Cie. an Internet-Unternehmen. Eine lokale Komponente bei den Geschäftsmodellen sieht er als klaren Vorteil deutscher Internetgründungen im Vergleich zu amerikanischen. Deutsche Gründer kennen ihre lokalen Kunden sehr gut und können sie auch richtig einschätzen.
Der dritte Speaker des Abends war Bernhard Fischer-Appelt, Vorstand der fischerAppelt AG. Sein unternehmerisches Engagement begann mit der Schülerzeitung. Aufgrund scharfer Formulierungen wurde die Schülerzeitung verboten, was aber umso mehr zum Erfolg der Zeitung beitrug. Denn er verschärfte die Witze, verdoppelte die Auflage und verkaufte die Zeitung innerhalb von Minuten. Doch es ginge auch anders, durch verbesserte Gestaltung, Qualität und professionelleren Druck. Dadurch konnte er zudem die Anzeigenpreise erhöhen. Nach der sechsten Ausgabe gründete er einen Schülerzeitungs-Verlag und kümmerte sich um 24 Schulen. Sein Bruder machte den Vertrieb, Bernhard Fischer-Appelt die Gestaltung der Zeitungen. Er berichtete amüsant von einer Fehlinvestition, dem Apple II, den er –abgesehen von einem Tennisspiel- nie richtig zum Laufen brachte. Er gründete mit seinem Bruder zusammen die Agentur Media Concept und spezialisierte sich auf das Thema Umwelt. Anfangs funktionierte das sehr gut, bis einer der größten Kunden wegbrach. Das Fazit für Bernhard Fischer-Appelt jedenfalls war: nie wieder Spezialisierung, stattdessen wachsen und mehrere Standbeine aufbauen. So entstand die fischerAppelt AG, die heute in den Bereichen PR, Werbung, Online, TV und Beratung aktiv ist. Bernhard Fischer-Appelt habe in seiner Laufbahn gelernt, dass man die Kraft brauche, sich ständig in Frage zu stellen und zu kritisieren. Denn das mache einen erfolgreichen Unternehmer aus.
Nach den Vorträgen und den Publikumsrückfragen und –anmerkungen gab es, wie gewohnt, einige Snacks, Drinks und Zeit zum Netzwerken. Die Gäste nutzten dann auch die Gelegenheit, die Insider-Informationen aus den Vorträgen weiter zu diskutieren. Wir freuen uns auf den nächsten eBizzTalk im Februar 2012.
Wolfgang